Definition und weitere Informationen zu Widerrufsrecht Autokauf


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Widerrufsrecht Autokauf

Einen Autokaufvertrag rückgängig zu machen, ist normalerweise mit zahlreichen rechtlichen Hürden verbunden, da ein Vertrag grundsätzlich bindend ist, juristisch bezeichnet „pacta sunt servanda“ (lat.: dt. Verträge sind einzuhalten). In bestimmten Fällen steht dem Käufer jedoch ein sogenanntes Widerrufsrecht zu, das die Rückabwicklung stark vereinfacht.

Das Widerrufsrecht beim Autokauf

Bei einem Autokaufvertrag steht dem Käufer in Deutschland grundsätzlich kein gesetzliches Widerrufsrecht zu. Deshalb kann sich der Käufer im Normalfall nur unter gewissen Umständen vom Vertrag durch einen sogenannten Rücktritt vom Vertrag lösen, soweit das Auto mangelbehaftet ist. Zuvor muss der Käufer dem Verkäufer jedoch auch die Möglichkeit zur Nachbesserung einräumen. Nur wenn der Verkäufer weder durch Nachbesserung (Reparatur) noch durch Nachlieferung (Lieferung einer neuen mangelfreien Sache) den Mangel nicht beheben kann oder will, hat der Käufer das Recht sich vom Vertrag durch Rücktritt zu lösen.

Deutlich einfacher und lukrativer ist die Vertragslösung mittels eines Widerrufes (auch als Widerrufsjoker bekannt). Der Widerruf eines Autokaufes ist in Deutschland im Rahmen des b2c-Verkehrs (ein Verbraucher nach § 13 BGB kauft von einem Unternehmer nach § 14 BGB) insbesondere in 2 Konstellationen möglich, nämlich wenn:

a)  – der Autokauf über Fernkommunikationsmittel geschlossen wurde, also v.a. per Mail, Telefon, Fax oder SMS (Widerrufsrecht beim sogenannten Fernabsatzgeschäft) und/oder

b) – der Autokauf über ein Darlehen finanziert wurde (sogenanntes Recht zum Darlehenswiderruf).

Das Widerrufsrecht wurde vom Gesetzgeber dem Verbraucher in diesen Konstellationen eingeräumt, weil der Verbraucher hier besonders schutzbedürftig ist. Beim Fernabsatzgeschäft sieht er die Ware vorher nicht und beim Darlehensvertrag verpflichtet sich der Verbraucher meist auf längere Zeit zu einer für ihn relativ großen Verbindlichkeit.   

Variante 1: Wie wird das Widerrufsrecht bei Fernabsatzgeschäften beansprucht?

Der Widerruf des Autokaufvertrags bei Fernabsatzgeschäften muss innerhalb von einer 14-tägigen Frist geltend gemacht werden, eine Begründung ist dabei nicht nötig. Es empfiehlt sich, sich hierfür an einer Muster-Widerrufserklärung zu orientieren.

Der Verkäufer hat die Pflicht, den Käufer über sein Widerrufsrecht aufzuklären. Die Frist beginnt, sobald die Belehrung erhalten wurde oder, wenn das Auto erst nach der Belehrung erhalten wurde, zum Zeitpunkt der Übergabe.

Variante 2: Widerruf bei der Finanzierung durch einen Autokredit

Wenn das Auto finanziert ist, ergeben sich weitere Möglichkeiten und ein Widerspruch wird deutlich erleichtert. Durch die Verbindung von Autokauf und Kreditvertrag werden die beiden rechtlich als Einheit gesehen (verbundener Vertrag). Bei Krediten gilt grundsätzlich eine Widerspruchspflicht von 14 Tagen. Wird der Kreditvertrag widerrufen, wird auch der Kaufvertrag für das Auto rückabgewickelt.  In diesem Fall gilt der Widerruf auch, wenn es sich nicht um ein Fernabsatzgeschäft handelt. 

Voraussetzung ist, dass Kauf- und Kreditvertrag wirtschaftlich eng miteinander verknüpft sind, was insbesondere der Fall ist, wenn das Darlehen im Rahmen des Autokaufes speziell für diesen Autokauf abgeschlossen wurde, v.a. wenn der Autoverkäufer die Bank vermittelt hat oder die Bank den Autoverkäufer.

Wenn der Käufer beim Kauf nicht über sein Widerspruchsrecht belehrt worden ist, verlängert sich das Widerrufsrecht bei kombinierten Kauf- und Kreditverträgen für ein Auto auf maximal zwölf Monate und 14 Tage.

Rücktritt vom Kaufvertrag bei Mängeln am Fahrzeug

Wenn das Auto bei Übergabe einen Defekt aufweist, ist die Alternative zum Widerrufsrecht der Rücktritt vom Kauf. Bei erheblichen Mängeln am Fahrzeug muss der Käufer dem Verkäufer ausreichend Zeit für eine Nachbesserung geben. Erst, wenn der zweite Versuch gescheitert ist oder der Verkäufer die Reparatur der Mängel verweigert, hat der Kunde das Recht, vom Vertrag zurückzutreten. Dabei unbedeutend ist, ob der Kaufvertrag vor Ort oder über Fernkommunikationsmittel abgeschlossen wurde. Die Gewährleistungsfrist seitens des Verkäufers beträgt hier zwei Jahre.

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